12. Deutscher Lungentag Nürnberg 2009

12. Deutscher Lungentag Nürnberg 2009

Zum 12. Deutschen Lungentag organisierte die Selbsthilfegruppe COPD Nürnberg einen Patienteninfotag, der vom Klinikum Nürnberg Nord unterstützt wurde. Ebenfalls an der Organisation beteiligt war die Regionalgruppe der Deutschen Selbsthilfegruppe für Sauerstoff-Langzeittherapie. Die Themen der Veranstaltung waren:

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Infotag Nürnberg

1. Infekte der Atemwege: Kann man Vorbeugen?
Frau Dr. Niederkorn-Schrader, niedergelassene Lungenfachärztin

2. Wem hilft die Sauerstoff-Langzeittherapie?
Herr Dr. Urlbauer, Klinikum Nürnberg

3. Neue Behandlungsmöglichkeiten der COPD
Professor Dr. Ficker, Klinikum Nürnberg

Nach der Einführung durch Herrn Professor Ficker und Herren Samsel begann Frau Dr. Niederkorn-Schrader mit dem Vortrag zum Thema Infektvorbeugung. Während des Vortrags wurde darauf hingewiesen, dass die jährliche Grippeschutzimpfung ein wichtiger Bestandteil der Infektvorbeugung ist. Außerdem sei es sehr wichtig, auf eine gewisse Hygiene zu achten, da gerade durch kontaminierte Hände die meisten Bakterien und Viren übertragen werden. Ein häufiges Waschen der Hände ist also unbedingt erforderlich. Um das Immunsystem für die Abwehr zu stärken, sollte auf genügend Bewegung (sportliche Betätigung), eine ausgewogene und gesunde Ernährung, sowie auf ausreichend Schlaf geachtet werden. Die Vermeidung von Infekten ist ein maßgeblicher Aspekt für den Verlauf der Erkrankung, da häufige Infektionen und Exarzerbationen die Prognose im allgemeinen verschlechtern.

Der Vortrag von Herrn Dr. Urlbauer beschäftigte sich mit dem Thema Sauerstoff-Langzeittherapie und welchen Patienten diese Therapie hilft. Für die Verordnung einer Sauerstoff-Langzeittherapie werden die Werte der Blutgasanalyse herangezogen, die sowohl in Ruhe als auch unter Belastung im arteriellen Blut gemessen werden. Die am meisten gestellte Frage zum Thema ist: „Wann und wie lange muss ich den Sauerstoff nehmen?“. In der Regel muss die Sauerstoff-Langzeittherapie für den Rest des Lebens angewandt werden, da die geschädigte Lunge des Patienten nicht mehr in der Lage ist, den Sauerstoff ausreichend aus der Umgebungsluft zu extrahieren. Zusätzliche Sauerstoff muss immer dann genommen werden, wenn der Organismus unterversorgt ist. Dies ist meistens dann der Fall, wenn sich der Patient in irgendeiner Form belastet (Treppensteigen, Hausarbeiten usw.), oder nachts bei zu flacher Atmung. Bei manchen Patienten muss auch in Ruhe (Fernsehen, Lesen usw.) zusätzlicher Sauerstoff zugeführt werden. Deshalb ist in vernünftigen Abständen eine Kontrolle der Sauerstoffversorgung notwendig. Eine Statistik zeigt, dass die Sauerstoff-Langzeittherapie erst ab täglich 16 Stunden eine lebensverlängernde Wirkung hat.

Professor Ficker erörterte neue Behandlungsmöglichkeiten der COPD und des Lungenemphysems, wie zum Beispiel die bronchoskopische Lungenvolumenreduktion. Es wurde allerdings gleich zu Anfang darauf hingewiesen, dass diese Verfahren nur für wenige ausgesuchte Patienten infrage kämen. Bei der bronchoskopischen Volumenreduktion werden Ventile in ausgesuchte Bronchien implantiert, so dass die eingeatmete Luft weiterhin entweichen kann, die unbrauchbaren Areale aber nicht mehr belüftet wird. Es kann also keine neue Luft nachströmen. Durch dieses Verfahren werden die betreffenden Lungenabschnitte langsam kleiner und die gesünderen Lungenareale haben wieder mehr Platz im Brustkorb und können sich somit besser entfalten und am Gasaustausch teilnehmen. Sollte es notwendig sein, können die Ventile in der Regel wieder entfernt werden.

Eine weitere Methode der bronchoskopischen Lungenvolumenreduktion ist die Thermische Dampf-Ablation (BTVA). Dieses minimal-invasive Verfahren erzielt eine Volumenreduktion der Lunge durch Einbringung thermischen Dampfes. Durch den Dampfes zieht sich der überblähte Lungenbereich zusammen und gibt Raum für gesünderes Lungengewebe frei. Im Gegensatz zur bronchoskopischen Lungenvolumenreduktion mit Ventilen, ist das Verfahren mit thermischem Dampf nicht reversibel.

Zu den neuen Behandlungsmöglichkeiten gehört auch die Arteriovenöse Fistel. Die AV- Fistel soll arterielles, aber nicht ausreichend mit Sauerstoff angereichertes Blut zurück in die Lungen leiten, damit es dort im zweiten Durchlauf zusätzlich Sauerstoff aufnehmen kann. Dazu wird dem Patienten unter örtlicher Betäubung über einen kleinen Leistenschnitt ein Silikonröhrchen eingesetzt, das eine Vene und eine Arterie miteinander verbindet. Mit diesem kleinen Eingriff soll die Belastbarkeit der Patienten im Alltag erhöht werden.

Interessierte Patienten sollten sich immer zuerst mit dem behandelnden Lungenfacharzt in Verbindung setzen, da dieser die Ein- und Ausschlusskriterien der neuen Behandlungsmöglichkeiten kennt und im Vorfeld entscheiden kann, ob vielleicht das eine oder andere Verfahren Frage kommt.

Die mehr als 100 Teilnehmer äußerten sich durchweg positiv zum Verlauf der Veranstaltung. Besonderen Dank gilt der Firma Talecris Biotherapeutics und der Firma Vivisol, die zum Gelingen des Infotages beitrugen. Weiterhin danken die Nürnberger Selbsthilfegruppen der Medizinischen Klinik 3 des Nürnberger Klinikums, die die Vorhaben der einzelnen Selbsthilfegruppen immer wieder unterstützt. Angeregt durch die große Nachfrage, wird in Zukunft der Nürnberger Infotag jährlich anlässlich des Deutschen Lungentags stattfinden.

Bilder der Veranstaltung: